Krimi-Spezial
Das ''Tatort''-Duo Jan Josef Liefers und Axel Prahl
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Das ''Tatort''-Duo Jan Josef Liefers und Axel Prahl / Foto: © WDR/Martin Menke

Interview mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl

''Tatort: Summ, Summ, Summ'' im HÖRZU-Check

  • Artikel vom 24. März 2013

Zwölf Millionen Fernsehzuschauer fieberten beim letzten Münsteraner "Tatort: Das Wunder von Wolbeck" mit – der absolute Quotenrekord für das Ermittlerduo aus der Stadt in Westfalen. Später jedoch hagelte es Kritik. Für etliche Zuschauer war der ''Tatort'' kein Krimi mehr, sondern nur noch purer Klamauk. Können die Münsterländer diesen Fauxpas mit ihrer neuen Episode "Summ, Summ, Summ" wettmachen?

Was passiert?
Während Professor Boerne (Jan Josef Liefers) und Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) den Mörder des sexsüchtigen Schlagersängers Roman König (Roland Kaiser) jagen, werden sie selbst verfolgt – von tödlichen Spinnen, die mit Bananenkisten in ihre Wohnungen gelangten. Auf der Suche nach einem neuen Schlafquartier verschlägt es Thiel in die Wohnung seines Vaters, der aber gerade ein Problem mit Bienen hat. Obendrein plagen sich die Ermittler auch noch mit zahlreichen Stalkerinnen herum, die dem dubiosen "Club der blauen Tulpe" angehören und alle ein Verhältnis mit dem toten Schlager-King hatten. Als Boerne den Mörder in einem Luxushotel stellt, wird er im Dampfbad eingesperrt – und gerät in Lebensgefahr.

Was ist das Besondere?
Roland Kaiser spielt einen in die Jahre gekommenen Schlagerstar, der in Sachen Erotik nichts anbrennen lässt. Im "Tatort" singt er sein neues Lied "Egoist", das auch auf seiner neuen Doppel-CD "Live" zu hören ist – ein echter Ohrwurm. Das Drehbuch zu dieser "Tatort"-Episode stammt von dem Autorenduo Jan Hinter und Stefan Cantz. Die beiden haben die Ermittler Boerne und Thiel im Jahr 2002 erfunden.

Wer ist dabei?
Die üblichen Verdächtigen: Christine Urspruch ("Alberich") wird ab der ersten Minute von Boerne diskriminiert ("Nicht immer mit Danny DeVito chatten"). Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann) entpuppt sich als Schlagerfan, und Thiels marihuanasüchtiger Vater Herbert (Claus Dieter Clausnitzer) versteckt zu Hause einen Halbkriminellen.

Tatort Summ, Summ, Summ

Der Titel "Summ, Summ, Summ" (24.3., 20.15 Uhr, Das Erste) deutet es schon an: Bienen zählen diesmal zu den gefährlichsten Gegnern von Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) und Frank Thiel (Axel Prahl) im "Tatort" aus Münster. HÖRZU sprach mit den Ermittlern über die neue Folge – und über die ungewöhnlich heftige Kritik am Humor ihres vorhergehenden "Tatorts".

Axel Prahl und Jan Josef Liefers

Axel Prahl und JanJosef Liefers / Foto: © WDR/Martin Menke

HÖRZU: Bienen oder Spinnen – wovor haben Sie mehr Angst?

Axel Prahl: Vor Spinnen. Zumindest, wenn es solche Exemplare sind wie in unserem Film. Den Besitzer der Tierchen haben wir in Holland aufgetrieben. Er hat die Spinnen beim Dreh betreut, um zu vermeiden, dass sie abhauen. Schließlich sind sie gefährlich, wenn sie nicht satt sind.

Jan Josef Liefers: Ich liebe guten Honig! Machen Spinnen auch etwas, das man aufs Brot schmieren kann?

HÖRZU: Ihr "Tatort" spielt diesmal in der Schlagerszene. Wie realistisch wird dieses Milieu dargestellt – und welches ist Ihr persönlicher Lieblingsschlager?

Jan Josef Liefers: Ich kenne die Welt des Schlagers ja auch nicht und gebe zu, dass das nicht meine Musik ist. Allerdings war mir Roland Kaiser schon ein Begriff, bevor die Mauer fiel. Mein Lieblingsschlager? "Ich war noch niemals in New York" von Udo Jürgens. Bis jetzt.

Axel Prahl: Einen Lieblingsschlager habe ich nicht. Irgendwie kann ich alles mitträllern – von "Sieben Fässer Wein" bis "Santa Maria". Und zur Darstellung des Schlagermilieus: Ich weiß nicht, ob unsere Abbildung eins zu eins mit der Wirklichkeit gleichzusetzen ist. Aber ähnliche Auswüchse gibt es auch in der Schauspielbranche.

HÖRZU: Der Film zeigt auch, wie Stalking funktioniert, wenn der Schlagerstar Roman König von einer Frau verfolgt wird. Haben Sie selbst auch schon Erfahrungen mit Stalkerinnen sammeln müssen?

Axel Prahl: Das unvergesslichste Erlebnis ähnlicher Art war, als ich in meiner Post Reizwäsche fand, die in einem braunen Umschlag verpackt war. Leider fehlte der Absender.

Jan Josef Liefers: Zum Glück habe ich noch keine Erfahrungen mit krankhaften Stalkerinnen. Abgesehen von einer Frau, die allerdings bereits in psychiatrischer Behandlung war. Meine Fans sind – soweit ich sie kennengelernt habe – entspannte Menschen, die mir begegnen wie einem Freund.

HÖRZU: Der Schlagerstar im Film wird von Roland Kaiser gespielt. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?

Axel Prahl: Außerordentlich fantastisch. Es war großartig, dass er die Chuzpe hatte, die leichten Schläge in den Magen, die er wahrscheinlich schon beim Lesen des Drehbuchs hinnehmen musste, souverän einzustecken. Kaiser stand über den Dingen und hat richtig großartig gespielt, obwohl er kein Schauspieler ist. Im Grunde genommen ist er eher ein Rock ’n’ Roller.

Jan Josef Liefers: Die Zusammenarbeit mit Roland war großartig. Im Ernst! Er ist ein witziger und kluger Mann, der weit über den Tellerrand hinaussehen kann. Sehr höflich und offen. Und er hat gespielt wie ein Profi.

HÖRZU: Inwieweit improvisieren Sie bei den witzigen Dialogen zwischen Frank Thiel und Professor Boerne?

Jan Josef Liefers: Ja, da ist immer ein bisschen Improvisation im Spiel. Das geht wohl inzwischen gar nicht mehr anders.

Axel Prahl: Manchmal entsteht am Vorabend eines Drehs eine lustige Idee am Tresen. Wenn der Regisseur sie nicht gut findet, verwerfen wir sie wieder. Mal trägt eine dieser Ideen zur Unterhaltung bei, mal liegt man daneben. Es ist Geschmackssache.

HÖRZU: Mit welcher gesellschaftlichen Problematik würden Sie die beiden Ermittler gern einmal konfrontieren?

Jan Josef Liefers: Themen, die ich gut fände, wären Deutschlands Waffenexporte und Finanzspekulationen mit Lebensmitteln. Allerdings müssten die sich über private Verwicklungen erzählen lassen und mit dem Stil des Münster-"Tatorts" kompatibel sein.

HÖRZU: Ihr letzter "Tatort" holte Traumquoten, wurde aber auch als zu klamaukig kritisiert. Wie komisch darf ein Krimi sein, ohne zum Klamauk zu verkommen?

Axel Prahl: Wir versuchen Grenzbereiche auszuloten. Da kann es schon mal passieren, dass der Pegel zu extrem in eine bestimmte Richtung ausschlägt.

Jan Josef Liefers: Einschaltquoten verdankt eine Serie vor allem der Mundpropaganda unter den Zuschauern. Da kannst du noch so viel Werbung schalten oder Kritiken schreiben. Und die aktuelle Quote ist meistens eine Quittung für die Folge, die davor lief. Ob sich die neue Folge lohnt, kann ja noch kein Zuschauer wissen, wenn er einschaltet. Den Fans des Münster-"Tatorts" ist es lieber, dass wir mal knapp daneben liegen, als wenn wir gar nichts mehr riskieren würden, bloß um keine Fehler zu machen.

HÖRZU: Boerne dringt in einem kimonoartigen Gewand ins Hotelzimmer des Schlagerkönigs ein, er lässt die Kleinwüchsige Alberich unter ein Bett kriechen – wie viele der skurrilen Ideen um die Figur stammen von Ihnen?

Jan Josef Liefers: Das wechselt stark. Unser Drehbuch stammte von Jan Hinter und Stefan Cantz. Die beiden haben Boerne und Thiel erfunden. Und Regisseur Kaspar Heidelbach kennt alle Beteiligten gut. Es war ein bewährtes Team am Start. Da lässt sich nicht mehr sagen, wem was eingefallen ist.

HÖRZU: Die Einschaltquoten Ihres "Tatorts" steigen und steigen. Was ist das Erfolgsgeheimnis – und lässt sich trotz allen Erfolgs noch etwas verbessern?

Axel Prahl: Ich weiß nicht, was das Erfolgsgeheimnis ist – und das ist auch gut so.

Jan Josef Liefers: Es lässt sich immer was verbessern. So lange wir diesen "Tator" machen, übernehme ich zwar keine Garantie, dass immer alles aufgeht, was wir versuchen, aber ich garantiere, dass wir uns niemals auf dem Erfolg ausruhen werden.


Sendehinweis: ''Tatort: Summ, Summ, Summ''

Liefers, Prahl und ein Mausetoter
SO, 24.3., Das Erste, 20.15 Uhr

Autor: Mike Powelz

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