Gesund leben
Bluthochdruck / Foto © iStock, GlobalStock

Nur die Blutdruckmessung zeigt, ob Hypertonie vorliegt. / Foto © iStock, GlobalStock

Fast jeder Dritte ist betroffen

Bluthochdruck – Symptome, Ursachen und die richtigen Medikamente

  • Artikel vom 03. Juli 2017

Bluthochdruck als Volkskrankheit – die Auslöser, welche Medikamente helfen können und wie wichtig die Ernährung bei Hypertonie ist.

Zu hoher Blutdruck, medizinisch Hypertonie, ist längst nicht mehr ausschließlich das Problem älterer, übergewichtiger Männer, die unter Stress leiden. Inzwischen sind bis zu 30 Millionen Deutsche betroffen, Männer und Frauen gleichermaßen, darunter auch viele unter 40-Jährige. Sogar mehrere hunderttausend Kinder haben bereits erhöhte Blutdruckwerte, wie die Deutsche Hochdruckliga meldet.

Bluthochdruck – Symptome treten erst spät auf

Bluthochdruck birgt enormes gesundheitsschädigendes Potenzial: Er schadet Gefäßen und Organen oft irreparabel. Die Betroffenen merken dabei anfangs meist gar nicht, dass ihr Blutdruck zu hoch ist. Denn Hypertonie verursacht über Jahre hinweg kaum Beschwerden. Im Gegenteil, die Betroffenen fühlen sich oft besonders munter und agil. Erst nach und nach kommt es zu unspezifischen Symptomen wie:

• Kopfschmerzen, vor allem bei Anstrengung
• Schlafstörungen
• Schwindel, besonders unter körperlicher Belastung
• Kurzatmigkeit schon bei leichter Anstrengung
• häufiges Nasenbluten
• Unruhe, Nervosität
• Ohrgeräusche
• Herzklopfen oder Herzstolpern
• rotes Gesicht nach Alkoholkonsum
• Erektionsprobleme

Ursachen für Bluthochdruck

Warum der Blutdruck dauerhaft ansteigt, kann viele Ursachen haben. In zehn bis 15 Prozent der Fälle ist die Hypertonie Folge einer anderen Krankheit, etwa von Nierenerkrankungen. Dann spricht der Arzt von einer sekundären Hypertonie.

Bei den allermeisten Patienten lässt sich jedoch keine direkte Ursache erkennen, was Mediziner als primären oder essentiellen Bluthochdruck bezeichnen. Für diese Form der Hypertonie gibt es eine ganze Reihe von Risikofaktoren, die die Entwicklung begünstigen. Vor allem, wenn mehrere dieser Auslöser vorliegen, ist Bluthochdruck vorprogrammiert:

• Bewegungsmangel
• Übergewicht
• Rauchen
• erhöhter Alkoholkonsum
• Ernährung, die salzreich ist und viel tierisches Fett enthält
• Stress

Eine aktuelle Studie zeigt, dass psychische Belastung das Risiko für Hypertonie sogar um bis zu 40 Prozent erhöht.

Auch die Gene spielen eine Rolle. Wenn Mutter, Vater oder Großeltern bereits zu hohen Blutdruck hatten, steigt auch das Risiko für die Nachkommen.

Erhöhte Blutdruckwerte einzig aussagekräftiges Symptom von Bluthochdruck

Weil Bluthochdruck so häufig ist und sich über Jahre hinweg ohne spürbare Anzeichen entwickelt, sollte keiner abwarten, ob vielleicht irgendwann entsprechende Symptome auftreten, sondern vorher aktiv werden. Das bedeutet: Den Blutdruck kontrollieren. Nur die Blutdruckmessung gibt sicher Auskunft darüber, ob der Blutdruck normal ist oder erhöht.

Die Messung ergibt zwei Werte: einen höheren und einen niederen, beispielsweise 120/80 mmHg. Der erste Wert wird diastolisch genannt. Er gibt Auskunft darüber, mit welchem Druck das Herz das Blut in der Auswurfphase in die Aorta pumpt. Der zweite Wert heißt systolisch und bezeichnet den Druck in den Gefäßen während der Entspannungsphase des Herzens. Die Werte und was sie bedeuten:

• 120/80 mmHg und 129/84 mmHg: Normalwerte für den Blutdruck

• 130 bis 139/85 bis 89 mmHg: Hoher Normalwert, der beobachtet werden sollte

• 140 bis 159/90 bis 99 mmHg: Leicht erhöhter Blutdruck (Hypertonie Grad 1), ab jetzt sollte behandelt werden.

• 160 bis 179/100 bis 109 mmHg: Mittelgradig erhöhter Blutdruck (Hypertonie Grad 2).

• Höher als 180/110 mmHg: Schwerer Bluthochdruck (Hypertonie Grad 3).

Gängige Messgeräte prüfen den Blutdruck am Handgelenk oder am Oberarm. Sie können die Messung in der Arztpraxis durchführen lassen, am besten zur Vorsorge regelmäßig alle sechs Monate, um Bluthochdruck rechtzeitig zu erkennen, gegebenenfalls zu behandeln und so schwerwiegende Folgen zu vermeiden.

So gefährlich ist Bluthochdruck

Unbehandelt gilt Bluthochdruck als Risikofaktor Nummer eins für Herz-Kreislauferkrankungen, die wiederum verantwortlich für die meisten Todesfälle sind, noch vor Krebs. Die Folgekrankheiten von Bluthochdruck im einzelnen:

• Arteriosklerose
• Angina pectoris
• Schlaganfall
• Nierenschwäche
• Durchblutungsstörungen der Beine

Bluthochdruck richtig diagnostizieren

Deshalb sollte zu hoher Blutdruck auf jeden Fall gesenkt werden, auch wenn es sich nur um eine leichte Hypertonie handelt. Um Hypertonie zu diagnostizieren, reicht es allerdings nicht, nur einmal zu messen. Die einmalige Messung ist nur wichtig, um bei bisher gesunden Menschen einen Hinweis zu bekommen, dass eventuell Bluthochdruck vorliegt.

Blutdruck täglich messen und 24-Stunden-Blutdruckmessung

Ist der Blutdruck einmal erhöht, wird der Arzt zu häufigerer Kontrolle raten. Dazu kaufen Sie sich am besten ein Messgerät und messen dreimal täglich immer zur gleichen Zeit und den gleichen Bedingungen entspannt im Sitzen. Die gemessenen Werte protokollieren Sie. Der Arzt wertet die Zahlen aus.

Im Zweifelsfall nutzt er zusätzlich eine Langzeitblutdruckmessung oder 24-Stunden-Blutdruckmessung. Dabei wird Ihnen ein mobiles Messgerät angelegt, das mit einem kleinem Computer verbunden ist, den Sie am Gürtel tragen können. Der Blutdruck wird automatisch tagsüber alle 15 Minuten, nachts alle halbe Stunde gemessen und die Daten im Computer gespeichert. Die 24-Stunden-Messung gilt als sicherstes Diagnosemittel für Bluthochdruck.

Medikamente gegen Bluthochdruck

Je nachdem, wie hoch der Blutdruck ist, wird der Arzt entsprechende Medikamente verschreiben, meist in Kombination, weil sie sich gegenseitig in ihrer Wirkung unterstützen und verstärken. Mittel der Wahl sind:

ACE-Hemmer und AT-1-Rezeptor-Antagonisten: Beide Arzneimittelgruppen gelten als klassische Blutdrucksenker, sie bremsen die Aktivität und Bildung von Hormonen, die den Blutdruck steigern.

Betablocker: Manche Betablocker besetzen Rezeptoren an den Zellen, an denen sonst die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin andocken. Andere Vertreter dieser Medikamente erweitern die Gefäße. Beides bewirkt das Absinken des Blutdrucks.

Diuretika: Sie entwässern, reduzieren damit das Flüssigkeitsvolumen im Körper, wodurch der Blutdruck sinkt. Zusätzlich weiten sie die Gefäße.

Kalziumantagonisten: Diese Medikamente reduzieren die Zufuhr von Kalzium in den Muskelzellen der Gefäßwände. Dadurch können diese sich nicht mehr anspannen. Sie erschlaffen und der Blutdruck sinkt.

Renin-Hemmer: Sie greifen wie ACE-Hemmer in die Hormonsynthese ein, allerdings noch früher. Renin-Hemmer dürfen nicht mit ACE-Hemmern kombiniert werden, nur mit Kalziumantagonisten oder Diuretika.

Damit die medikamentöse Behandlung möglichst gut verträglich ist, wird der Arzt die Arzneimittel anfangs in geringer Dosierung verschreiben (einschleichend). Tägliche Blutdruckkontrolle zeigt dann, ob diese Menge bereits ausreichend wirkt. Je nach Ergebnis lässt sich die Dosis ganz langsam steigern. Auf diese Weise wird auch verhindert, dass anfangs Nebenwirkungen entstehen. Der Körper gewöhnt sich nach und nach an die Medikation.

Das ist wichtig – denn Medikamente gegen Bluthochdruck müssen oft ein Leben lang eingenommen werden. Dass Hypertonie nach einiger Zeit wieder von selbst verschwindet ist eher selten und hängt auch von der Eigeninitiative ab und den individuellen Möglichkeiten.

Ernährung gegen Bluthochdruck

Jeder, der Bluthochdruck hat, kann selbst etwas dazu beitragen, dass die Werte sinken. Wichtigste Maßnahme dabei ist Übergewicht abbauen. Das lohnt sich, denn bereits zwei Kilogramm weniger lassen den Blutdruck um 2 mmHg sinken.

Sinnvoll bei Bluthochdruck ist dabei in zweifacher Hinsicht fettarme Diät. Das schädliche LDL-Cholesterin, das vor allem in Wurst, Fleisch und fettreichen Milchprodukten enthalten ist, lagert sich direkt in den Gefäßwänden an und verstärkt damit Arteriosklerose. Diese krankhafte Verengung der Blutgefäße ist bei Bluthochdruck einerseits Ursache, andererseits Risikofaktor. Zusätzlich lässt fettarme Ernährung Übergewicht besonders rasch verschwinden.

Bei vielen Bluthochdruck-Patienten ist zusätzlicher Salzverzicht sinnvoll. Salz treibt nicht nur den Blutdruck in die Höhe, sondern regt auch die Einlagerung von Wasser an. Allerdings ist Salzverzicht kein Garant für bessere Blutdruckwerte, bei manchen Patienten wirkt diese Maßnahme nicht. Das bedeutet: Einfach mal eine Woche den Salzverbrauch reduzieren und testen, ob damit der Blutdruck sinkt.

Bei Bluthochdruck ist Bewegung Medizin

Neben der Ernährung senkt auch regelmäßige Bewegung zu hohen Blutdruck. Fünfmal pro Woche 20 Minuten Radfahren oder Walken wird mit bis zu 10 mmHg weniger belohnt. Auch Schwimmen, Wandern und leichtes Ausdauertraining sind sinnvoll. Doch nicht alle Sportarten eignen sich für Hypertoniker: Krafttraining und alles, was mit Stress und hoher Anspannung zu tun hat, kann den Blutdruck zusätzlich in die Höhe treiben, Stichwort schädliche Pressatmung.

Abnehmen und Sport treiben kann vor allem die Hypertonie im Anfangsstadium wieder abklingen lassen. Allerdings dürfen Sie dann nicht mehr zunehmen und sollten auch in Zukunft in Bewegung bleiben. Denn einmal zurück in die alten Gewohnheiten gefallen, kann der Körper erneut mit Bluthochdruck reagieren.

Nicht jedem ist es möglich, sportlich zu sein. Gerade ältere, multimorbide Patienten sind hier im Nachteil, wenn sie etwa zusätzlich eine Lungenerkrankung wie COPD haben, unter Herzinsuffizienz leiden oder Arthrose jede Bewegung zur Qual werden lässt. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, was möglich ist – etwa im Rahmen einer Herz- oder Lungensportgruppe oder anderer Krankengymnastik. Denn für alle, die vorher völlig inaktiv waren gilt: Bereits das leichteste Bewegungstraining kann viel bewirken!

Quellen. Deutsche Hochdruckliga, Deutsche Herzstiftung, Berufsverband der Internisten, Journal of Health Monitoring, 2017, Robert Koch Institut

Autor: Monika Preuk