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BU: Wichtig bei COPD: Lungenfunktion mit Spirometrie testen. / Foto © iStock, Haykirdi

Lungenerkrankung

COPD – die heimliche Volkskrankheit

  • Artikel vom 25. Januar 2017

COPD – chronisch obstruktive Lungenerkrankung – nimmt rapide zu. Mehr über Therapie und Lebenserwartung bei der unheilbaren Lungenerkrankung.

Lungenerkrankungen treten weltweit immer häufiger auf. Die Ursachen:

• Rauchen,
• Passiv-Rauchen und
• allgemeine Luftverschmutzung.

Besonders stark ist der Anstieg jedoch bei COPD. Die Abkürzung steht für die englische Bezeichnung chronic obstructive pulmonary disease, übersetzt chronisch obstruktive Lungenerkrankung oder chronisch obstruktive Bronchitis. In Deutschland sollen mindestens 12 Prozent der über 40-Jährigen betroffen sein.

Unter den Todesursachen steht COPD heute bereits an vierter Stelle und könnte, so rechnet die WHO, schon im Jahr 2020 weltweit den dritten Platz belegen, nach Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs.

COPD – was ist das?

Was der Begriff im Einzelnen bedeutet:
Chronisch heißt, dass diese Krankheit unheilbar ist, nur in ihrem Verlauf durch die richtige Therapie beeinflussbar ist.
Obstruktiv meint in diesem Fall, dass die Atemwege verengt sind.
Bronchitis ist die Entzündung der Bronchien.

COPD geht also mit Entzündung und Einengung der Atemorgane einher.

Forschung: Warum sich bei COPD Bronchien und Lunge nicht regenerieren

Besonders fatal an dieser Krankheit: Die Schäden an den Atemorganen sind irreversibel. Anders als etwa in der Leber, die erstaunlich regenerationsfähig ist, erholt sich das zerstörte Gewebe in Bronchien und Lungen nicht mehr - auch nicht unter gezielter Therapie und sofortigem Rauchstopp. Wissenschaftler am Helmholtz Zentrum München, Partner im Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) haben jetzt mit einer Studie die Ursache dafür herausfinden können. „In unserer aktuellen Arbeit konnten wir zeigen, dass sich bei einer COPD die Botenstoffe verändern, mit denen die Zellen der Lunge untereinander kommunizieren“, so DZL-Wissenschaftlerin Dr. Dr. Melanie Königshoff, Leiterin der Abteilung Lungenreparatur und Regeneration (LRR) am Comprehensive Pneumology Center (CPC), München.

Was das genau bedeutet: In der Lunge wird bei COPD vermehrt das Molekül Wnt5a gebildet. Wnt5a stört den für die Reparatur unersetzlichen Signalweg zwischen den Zellen. Unter dem Einfluss von Wnt5a verliert geschädigtes Gewebe nachweisbar seine Fähigkeit zur Wundheilung.

Neue Medikamente gegen COPD in Sicht

In einer weiteren Versuchsreihe fanden die Forscher heraus, dass sich mit Antikörpern, die sich gezielt gegen Wnt5a richten, die Lungenzerstörung aufhalten lässt. Das könnte einen Ansatz für neue Medikamente gegen COPD und Lungenemphysem bedeuten.

Interessanter Nebeneffekt der Studie: Die Forscher entdeckten auch, dass Zigarettenrauch die Produktion von Wnt5a gezielt anregt. Rauchen gilt mit Abstand als stärkster Risikofaktor für COPD. Die Untersuchung hat damit ein weiteres Detail liefern können, warum Rauchen so lebensgefährlich ist – es schädigt nicht nur die Zellen, sondern hindert sie auch daran, sich wieder zu reparieren.

COPD und die Folgen für Psyche und Körper

Vor allem, wenn COPD länger besteht, schädigen die Entzündungen auch die Lungenbläschen und es kann sich zusätzlich eine Lungenüberblähung, medizinisch Lungenemphysem bilden. Die Lungenbläschen werden zerstört und der Körper leidet dadurch unter ständigem, langsam zunehmendem Sauerstoffmangel.

Allgemein belastet COPD durch die fortschreitende Verschlechterung der Lungenfunktion – egal ob mit oder ohne Lungenemphysem – auf Dauer auch andere Organe im Körper. COPD schädigt:
• Stoffwechsel
• Muskeln
• Knochen
• Herz und Kreislauf, das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall ist bei COPD nachweislich erhöht. Besonders häufig tritt im Zusammenhang mit COPD das sogenannte Cor pulmonale auf. Dabei überlastet der steigende Druck im Lungenkreislauf das Herz und schwächt es massiv.

Deshalb schränkt COPD die Lebensqualität stark ein und viele Betroffene entwickeln zusätzlich eine Depression.

Wegen dieser Faktoren ist die Lebenserwartung bei COPD erheblich verringert, durchschnittlich um fünf bis sieben Jahre.

COPD – FEV1-Wert und Stadien nach GOLD

Zwar lässt sich die Lebenserwartung für den einzelnen COPD-Patienten nicht exakt bestimmen. Wichtig ist für die Prognose jedoch der durch Lungenfunktionstest mit Spirometrie festgestellte FEV1-Wert. Dieser Wert errechnet sich durch die maximale Menge ausgeatmeter Luft pro Sekunde. Die maximale Menge an ausgestoßener Luft lässt sich am ehesten damit vergleichen, wenn Sie mit aller Kraft versuchen, Kerzen rasch auszupusten.

Anhand des FEV1-Werts wird COPD in die vier GOLD-Stadien eingeteilt. GOLD steht für Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease, einem internationalem Netzwerk, das Prävention, Behandlung und Versorgung bei COPD verbessern möchte. Als Sollwert, also die Lungenfunktion einer gesunden Lunge, steht ein FEV1 mit 100 Prozent.

• Gold 1 (leicht) FEV1 ≥ 80% Soll
• Gold 2 (mittel) 50% ≤ FEV1 < 80% Soll
• Gold 3 (schwer)30% ≤ FEV1 < 50% Soll)
• Gold 4 (sehrschwer) ≤ FEV1 < 30% Soll oder FEV1 < 50%

Neben der Einschränkung der Lungenfunktion treten typische Symptome auf.

COPD-Symtome - Raucherhusten ernst nehmen

Doch oft verdrängen die Betroffenen die ersten Symptome. Morgendlicher Husten, ein besonders typisches Anzeichen für COPD, tun viele als „Raucherhusten“ ab. Sie verharmlosen damit die langsam zunehmenden Beschwerden. Doch Raucherhusten ist niemals unbedenklich, sondern eines der ersten Symptome dafür, das Bronchien und Lunge geschädigt sind. Weil etwa 90 Prozent der COPD-Patienten Raucher oder Ex-Raucher sind, ist die Bezeichnung Raucherhusten als Symptom für die chronische Lungenkrankheit durchaus zutreffend.

Vor allem zu Beginn der Erkrankung weisen folgende Symptome auf COPD hin:

• Auswurf
• Husten
• Atemnot – als AHA-Effekt bezeichnet.

Im Verlauf treten
• Leistungsabfall
• Muskelschwund
• Gewichtsverlust
auf sowie die oben aufgeführten Folgekrankheiten an vielen Organen.

COPD verläuft in Schüben. Meist ausgelöst durch einen Infekt, aber auch durch schlechte Luftqualität, kommt es zu einer Exazerbation, einer Verschlimmerung der chronischen Krankheit. Oftmals muss die COPD-Exazerbation stationär behandelt werden.

Diagnose von COPD – wichtige Fragen der Anamnese

Vor dem Lungenfunktionstest zur Feststellung des FEV1 wird der Arzt selbstverständlich eine Anamnese durchführen. Fragebögen helfen bei der Erfassung der Symptome. Dabei vergibt der Patient Punkte von eins bis fünf und drückt damit aus, wie stark die Beschwerden sind. Einige Beispiele aus dem Fragebogen :

• Ich huste nie (Null Punkte). Ich huste ständig (5 Punkte).
• Ich bin überhaupt nicht verschleimt (Null Punkte). Ich bin ständig verschleimt (5 Punkte).
• Ich spüre keinerlei Engegefühl in der Brust (Null Punkte). Ich spüre ein sehr starkes Engegefühl in der Brust (5 Punkte).

Der Arzt wertet den Bogen aus. Daran schließt sich die körperliche Untersuchung mit Abhorchen auf Atemgeräusche wie Brummen oder Giemen und danach folgt die Lungenfunktionsprüfung. Ein Bluttest für Entzündungsparameter sowie Blutgasanalyse gehören ebenfalls zur Diagnose bei Verdacht auf COPD.

All diese Diagnosemittel sind nicht nur wichtig, um COPD festzustellen, sondern dienen auch zur Verlaufskontrolle der chronischen Lungenerkrankung.

Um andere Erkrankungen wie etwa Lungenkrebs auszuschließen, wird ein Röntgenbild gemacht. EKG und Echokardiografie zeigen, ob und in wie weit das Herz bereits durch COPD in Mitleidenschaft gezogen ist.

Therapie bei COPD – Bronchien erweitern und Entzündung hemmen

Je nach Gold-Stadium und aktuellen Problemen, etwa eines Infekts und Exazerbation empfehlen Lungenärzte folgende Behandlung bei COPD:

• Bronchienerweiternde Medikamente (Bronchodilatoren), dabei gibt es kurz- und langwirksame Bronchodilatoren, etwa Beta-2-Sympathomimetika,, Anticholinergika und Theophyllin
• Mukopharmaka lösen festsitzenden Bronchialschleim.
• Entzündungshemmer wie Kortison und Roflumilast (PDE-4-Hemmer)
• Antibiotika bei Exazerbationen

Mehr Lebensqualität und Mobilität mit Physio- und Sauerstofftherapie

Atemtherapie (Atemschulung vermittelt verschiedene Atemtechniken), Bewegungstherapie und Physiotherapie für Kraft und Ausdauer sollen zusätzlich dabei helfen, die körperliche Leistungsfähigkeit so lange wie möglich zu erhalten.

Vor allem bei fortgeschrittener Einschränkung der Lungenfunktion mit schwerem chronischen Sauerstoffmangel im Blut kann eine Langzeit-Sauerstofftherapie (LOT, die Abkürzung steht für englisch long-term oxygen therapy) Lebensqualität und Mobilität wieder verbessern. Die Behandlung erfolgt in der Regel mindestens 16 Stunden täglich über eine sogenannte Sauerstoffbrille. Dabei handelt es sich um einen dünnen Schlauch, der über einen Nasensteg in beide Nasenlöcher eingeführt wird und mit Sauerstoff angereicherte Luft verströmt.

Selbstverständlich sollten für alle Patienten mit COPD folgende Maßnahmen verbindlich sein, auch wenn sich die Krankheit noch in einem Frühstadium befindet:

• Jährliche Grippeimpfung
• Impfung gegen Pneumokokken zum Schutz vor Lungenentzündung

Unerlässlich ist vor allem die Tabakentwöhnung. Zwar ist die Prognose für Ihre Gesundheit umso besser, je früher Sie mit dem Rauchen aufhören. Doch es ist nie zu spät für den Rauchstopp. Die Tabakentwöhnung zeige positive Effekte auf die Symptomatik, den Verlauf der Lungenfunktion und die Sterblichkeitsziffern bei Patienten mit COPD, heißt es in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Pneumonologie und Beatmungsmedizin. Dabei darf nicht übersehen werden, dass auch Passivrauchen gefährlich ist und immerhin pro Jahr für rund 1.000 Todesfälle durch COPD verantwortlich ist. Vermeiden sie deshalb unbedingt auch Passivrauchen.

Quellen: Leitlinien der Deutschen Atemwegsliga und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem; Informationen der Atemwegsliga und der COPD-Deutschland, Ärztezeitung und Bayerische Ärztezeitung zur Novellierung der COPD-Leitlinien; Lungenärzte im Netz, Deutsches Zentrum für Lungenforschung

Autor: Monika Preuk