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Was hilft bei Herpes

Was hilft bei Herpes? / Foto © iStock, flisak

Helfen Hausmittel?

Herpes – Behandlung und Schutz vor lästigen Lippenbläschen

  • Artikel vom 02. November 2017

Zuerst brennt es, dann bilden sich schmerzhafte Bläschen. Verursacher sind Herpesviren, die vor allem Lippenherpes auslösen. Was dann wirklich hilft und was man unbedingt vermeiden sollte.

Herpesviren sind vielseitig und sehr widerstandsfähig. Einmal damit infiziert, nisten sich die Viren lebenslang in den sogenannten Nervenknoten des Körpers ein. Dort legen sie ihr Erbgut ab. Mit diesem Trick gelingt es ihnen, die Abwehrkräfte zu täuschen, weil sie inaktiv im Körper schlummern. Bei allgemeiner Abwehrschwäche erwachen sie sozusagen aus ihrem "Dornröschenschlaf", wandern über Nervenbahnen an die Hautoberfläche und lösen dort Symptome aus.

Meist ist die Herpesinfektion harmlos. Bei Menschen mit stark geschwächter Immunabwehr kann sie im Extremfall aber gefährlich sein.

Schon als Baby mit Herpes angesteckt

Die Erstinfektion erfolgt meist bereits im Säuglingsalter. Mehr als 80 Prozent der Deutschen sind mit Herpes infiziert, die meisten, ohne es zu wissen. So geschieht es, dass die Mutter oder andere enge Bezugspersonen das Kind per Tröpfchen- oder Schmierinfektion mit dem Virus anstecken.

Viren lösen nicht nur Lippenherpes aus

Zur Familie der Herpesviren gehören mehrere Mitglieder. Ursache für Lippenherpes (Herpes labialis), die mit Abstand häufigste Form einer Herpesinfektion, ist das Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1). Es kann aber auch die Genitalien befallen und dort die schmerzhaften Bläschen hervorrufen.

Neben Herpes-simplex-Virus 1 gibt es noch: Herpes-simplex-Virus 2 (HSV2), das ebenfalls Genitalherpes (Herpes genitalis) auslöst. Schon beim ersten Sexualkontakt infizieren sich viele mit diesem Erreger. Denn bei fast jedem dritten Deutschen sind Antikörper gegen HSV2 nachweisbar.

Humanes-Herpes-Virus 3 löst Windpocken und als Zweitinfektion Gürtelrose aus.

Humanes-Herpes-Virus 4 – oder Epstein-Barr-Virus – nennt man den Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers. Hohes Fieber und Hautausschlag sind typische Symptome.

Verlauf von Herpes – sieben Phasen von Kribbeln bis zum Verheilen

Eine typische Herpesinfektion an den Lippen durchläuft mehrere Phasen. Unbehandelt dauert sie etwa sieben bis zehn Tage, je nachdem, wie gut die Abwehrkräfte die Herpesviren wieder zurückdrängen. Die einzelnen Phasen:

1. Phase: Brennen, Kribbeln, Jucken auf noch intakter Haut (Prodomalphase)
2. Phase: Die Haut rötet sich (Erythemphase)
3. Phase: schmerzende Papeln bilden sich (Papelphase)
4. Phase: Die Papeln füllen sich mit Flüssigkeit und werden zu Blasen (Vesikelphase) Achtung: Das Sekret ist hoch ansteckend, es enthält Millionen von aktiven Herpes-Viren!
5. Phase: Die Bläschen platzen auf, es bilden sich kleine, nässende Wunden (Ulzerationsphase)
6. Phase: Die Wunden verkrusten, es bildet sich juckender Schorf (Verkrustungsphase)
7. Phase: Die Wunden heilen ab, die Rötungen verschwinden, zurück bleiben keine Narben (Abheilungsphase).

Lippenherpes schon im Anfangsstadium richtig behandeln

Am besten ist es, Herpes bereits bei den ersten Anzeichen selbst zu behandeln. Verschiedene Wirkstoffe helfen dabei, dass sich die Viren nicht vermehren. Zu diesen Virenhemmern gehören:

• Aciclovir
• Penciclovir
• Präparate mit Zinksulfat (Zink fördert die Heilung)
• Zink-Heparin-Kombinationen
• Pflaster auf Hydrokolloid-Basis

Die Anwendung dieser Medikamente verkürzt die Erkrankung oft um drei Tage und mehr. Alle genannten Präparate sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Wichtig: Bei der Selbstbehandlung unbedingt darauf auchten, die Bläschen nicht mit den Fingern zu berühren. Zum Auftragen der Salbe am besten ein Wattestäbchen benutzen und im Anschluss wegwerfen. Und: NIE die Bläschen ausdrücken, damit fördert man Ausbreitung und Entzündung.

Vorsicht, wenn sich Lippenherpes ausbreitet

Manchmal vermehren sich die Bläschen, die Infektion betrifft Kinn und Nase. Meist passiert das, weil die Bläschen geöffnet wurden und sich die hoch infektiöse Flüssigkeit auf andere Hautbereiche verteilt hat. Dann verschreibt der Arzt Virenhemmer zum Einnehmen (systemische Behandlung). Die Wirkstoffe sind:

• Aciclovir
• Valaciclovir,
• Famciclovir
• Foscarnet-Natrium

Nicht experimentieren

Wenn die Lippenbläschen auf die frei verkäuflichen Anti-Herpes-Mittel nicht ansprechen oder die Infektion sich ausbreitet, sollten Sie auf jeden Fall zum Arzt gehen. Versuchen Sie nicht, mit zweifelhaften Selbstbehandlungen die Sache in den Griff zu bekommen. Tabu sollte in erster Linie das Ausdrücken sein. Sonst riskieren Sie eine Superinfektion. Neben dem Risiko, dass sich die Viren verteilen, können auch Bakterien in die Wunden eindringen und zusätzlich Entzündungen auslösen.

Beliebt zur Selbstbehandlung sind Hausmittel wie Zahnpasta oder Teebaumöl. Achtung: Sie eignen sich nicht! Die Haut wird dabei stark ausgetrocknet, es können Risse entstehen, die Bakterien eintreten lassen. Teebaumöl hat darüber hinaus ein hohes allergisches Potenzial.

Bewährte Hausmittel bei Lippenbläschen

Daneben gibt es jedoch auch natürliche Hilfen gegen Lippenherpes, die sich sogar in Studien bewährt haben. Das sind:

Kurkuma (Gelbwurz) in Scheibchen schneiden und auf die Blasen legen. Der Hauptinhaltsstoff von Kurkuma ist Curcumin. Diese Substanz wirkt
wie ein natürlicher Virenhemmer speziell gegen Herpes.

Zitronenmelisse als Extrakt aufgetragen kann das Abheilen der Bläschen fördern und die Dauer der Erkrankung deutlich verkürzen.

Lippenherpes vorbeugen

Leider lassen sich die Herpesviren nicht für immer aus dem Körper vertreiben. Wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen, die das Immunsystem schwächen, können sich die Bläschen erneut bilden. Diese Risikofaktoren sind:

• Psychische Belastungen (Stress, Trauer, Angst)
• fieberhafte Infektionskrankheiten (daher auch die Bezeichnung Fieberbläschen für den Lippenherpes)
• starke UV-Bestrahlung (viele bekommen Lippenherpes vor allem am Meer oder im Hochgebirge, weil hier die UV-Strahlung besonders intensiv ist und die Immunabwehr schwächt)
• hormonelle Umstellung (etwa während der Schwangerschaft oder im Menstruationszyklus)

Meiden Sie also so weit wie möglich Faktoren, die Sie beeinflussen können – etwa zu starkes Sonnenlicht und Stress. Darüber hinaus hilft es, die Abwehrkräfte zu stärken, damit Sie die Viren gut in Schach halten können. Dazu gehört ein gesunder Lebensstil:

• Verzicht auf Genussgifte wie Alkohol und Zigaretten
• täglich frisches Obst und Gemüse
• ausreichend Schlaf
• so oft wie möglich frische Luft tanken und dabei für etwas Bewegung sorgen

Wer diese Ratschläge beherzigt, kann das Risiko, Herpes zu bekommen, deutlich senken.

Quellen: Informationen der Universität Würzburg (https://www.uni-wuerzburg.de/sonstiges/meldungen/single/artikel/herpesvi...), Universität Düsseldorf (https://www.uni-due.de/de/campusreport/articles.php?id=9413), Informationen des Instituts für Virologie und Antivirale Therapie der Universität Jena

Autor: Monika Preuk

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