Gesund leben
Schwitzen

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Vom Hausmittel bis zur ärztlichen Behandlung

Schwitzen – was wirklich gegen Schweiß hilft

  • Artikel vom 20. Juni 2018

Schwitzen ist natürlich – denn so schützt sich der Körper vor Überhitzung. Wir verraten, was gegen unangenehme Begleiterscheinungen hilft und was getan werden kann, wenn es sich um Hyperhidrose handelt.

Schwitzen ist bis zu einem gewissen Grad normal, sogar lebenswichtig. Wird der Körper überhitzt, sorgt der verdunstende Schweiß auf der Haut für Abkühlung, leitet so Wärme aus dem Inneren nach außen und wirkt wie eine körpereigenen Klimaanlage (Thermoregulation).

Das funktioniert bei großer Hitze ebenso wie beim Sport und natürlich auch bei Fieber. Reichhaltige oder stark gewürzte Speise sorgen via Stoffwechsel ebenfalls für eine erhöhte Wärmeproduktion. Auch bei starken Emotionen wie großer Aufregung, Angst und bei starken Schmerzen geraten wir ins Schwitzen. Schuld sind dann Stresshormone, die die schweißinduzierenden Nerven aktivieren.

Pro Tag produzieren wir etwa einen halben Liter Schweiß. Mindestens. An heißen Tagen oder bei körperlicher Anstrengung schwitzen wir mehr – dann können es durchaus zwei Liter bis sechs Liter sein. Wichtig ist es dann, viel zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Auch individuelle Faktoren haben Einfluss auf die Schweißbildung, darunter Lebensalter, Gewicht, Ernährung. Auch gibt es eine grundsätzliche Veranlagung, wie schnell und viel man schwitzt.

Wie Schweiß entsteht

Gesteuert wird die Schweißproduktion durch das vegetative Nervensystem. Es ist willentlich nicht beeinflussbar und reguliert unter anderem auch Puls, Wärmehaushalt und Blutdruck. Über das sympathische Nervengeflecht aktiviert es mit dem Botenstoff Acetylcholin die Schweißdrüsen. Auslöser beziehungsweise Steuereinheit ist dabei das Gehirn, genauer gesagt der Hypothalamus.

Auf unserer Haut befinden sich rund zwei Millionen Schweißdrüsen. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Typen:

Ekkrine Schweißdrüsen, die es überall auf der Haut gibt. Sie geben Schweiß ab, der vor allem aus Wasser, Salzen, Mineral- und Abwehrstoffen besteht.

Apokrine Schweißdrüsen, die sich in er Pubertät bilden, und zwar in den Achselhöhlen und dem Intimbereich. Der Schweiß an dieser Stelle enthält neben Wasser auch Eiweiß, Fett, Aminosäuren und Glukose.

Wie entsteht Schweißgeruch

Im Prinzip ist Schweiß fast geruchlos. Allerdings gibt es individuell fast unmerkliche Variationen, die den persönlichen Körperduft ausmachen. Der wiederum ermöglicht nonverbalen Informationsaustausch mit sexueller Signalwirkung und spielt so auch bei der Partnerwahl eine Rolle.

Ganz anders der typische Schweißgeruch. Er entsteht durch Bakterien, die sich in allen "Feuchtgebieten“ des Körpers tummeln, etwa Achseln und Intimbereich. Gelangt der Schweiß durch den Drüsenausgang an die Hautoberfläche, beginnen Mikroorganismen ihn zu verdauen. Dabei entsteht der Schweißgeruch. Weil die Hautflora des Menschen mit Anzahl und Zusammensetzung der Hautbakterien unterschiedlich geprägt ist, riecht der Schweiß auch unterschiedlich.

Hilfe gegen Schwitzen und Schweißgeruch – Deos und Antitranspirantien

Um Schweißgeruch zu verhindern bzw. alzu starkes Schwitzen einzudämmen, greifen wir zuerst einmal zu Deostift, -creme, -roller, -puder oder Pumpspray. Auf Sprays mit Treibgas kann man dabei übrigens leicht verzichten – der Umwelt zuliebe und weil sie keine Vorteile gegenüber den anderen Produkten bieten.

Die umgangssprachlich benutzte Bezeichnung Deo bezeichnet zwei sehr unterschiedlich wirkende Produkte:

Deodorants: Sie verhindern bzw. überdecken die Geruchsbildung mit Duftstoffen und antibakteriellen Ingredienzen
Antitranspirantien: Sie enthalten in der Regel Aluminiumsalze, die die Schweißproduktion lokal bremsen, indem sie für ein Zusammenziehen der Drüsen sorgen. Hier sollte man bedenken, dass bislang nicht erschöpfend geklärt ist, welche Auswirkungen Aluminiumsalze auf die Gesundheit haben. Eine mögliche Entscheidung zum EU-weiten Verbot von Aluminiumsalzen in Deos wurde zuletzt auf Juni 2019 verschoben. Es bleibt empfehlenswert, sie zumindest nicht täglich und nie direkt nach der Rasur zu verwenden.

Natürliche Hilfen gegen Schwitzen

Neben duftender Unterstützung aus dem Drogeriemarkt gibt es auch ganz natürliche Maßnahmen und Hausmittel, um übermäßigem Schwitzen vorzubeugen:

• Achseln rasieren, dann haben die Bakterien schlechtere Lebensbedingungen. Regelmäßiges Waschen/Duschen hilft natürlich auch.

• Baumwolle statt Synthetik tragen. Auf Synthetik können sich Bakterien schneller vermehren als auf Naturstoffen.Die Kleidung sollte außerdem nicht eng anliegen.

• Morgens und abends eine Tasse Salbeitee trinken. Er kann helfen, die Schweißproduktion zu reduzieren.

• Besonders an heißen Tagen stark gewürzte und schwere Speisen meiden. Auch auf übermäßigen Alkohol oder Kaffeekonsum sollte man verzichten.

Hyperhidrose: Wenn Schwitzen krankhaft ist

Schwitzen ist mit all diesen Hilfen meist kein problematisches Thema. Allerdings gibt es auch übermäßiges, krankhaftes Schwitzen, die Hyperhidrose. Der Leidensdruck der Betroffenen ist immens, wenn beispielsweise die Haare ständig durchgeschwitzt sind oder der Rücken klitschnass. Bis zu drei Prozent der Menschen weltweit sind betroffen.

Je nach Ursache unterscheiden Mediziner zwischen:

• primärer Hyperhidrose, die ohne erkennbaren Grund, also ohne Anstrengung oder Krankheit auftritt. Dabei sind meist nur bestimmte Körperbereiche von der übermäßigen Schweißproduktion betroffen, etwa die Achseln, Rücken und Brust, Handflächen sowie Füße oder der Kopf.

• sekundärer Hyperhidrose, die durch eine Krankheit ausgelöst wird, etwa eine Schilddrüsenüberfunktion, eine Nervenerkrankung oder einen Tumor. Diese Form der Hyperhidrose betrifft den gesamten Körper.

Ansprechpartner bei dem Verdacht auf Hyperhidrose ist der Dermatologe. Er kann mit einem einfachen Test feststellen, wo genau zu viel Schweiß produziert wird. Der Jodstärketest wird auf der trockenen Haut durchgeführt. Der Arzt bestreicht die Haut mit Jodlösung und siebt Stärke darüber. Austretender Schweiß reagiert chemisch mit Jod und Stärke. Diese Stelle wird dann deutlich dunkelbraun und kann gezielt behandelt werden.

Neue Therapien gegen Hyperhidrose

Sind etwa nur die Hand- oder Fußflächen betroffen, ist das Mittel der Wahl zur Behandlung von Hyperhidrose die Iontophorese. Dabei wird der zu behandelnde Körperteil in ein Wasserbad gehalten, durch das Gleichstrom fließt. Die Behandlung sollte regelmäßig ein- bis zweimal pro Woche durchgeführt werden, wozu der Patient auch ein Iontophorese-Gerät von der Krankenkasse erhält.

Daneben ist eine neuere Option auch die Injektion von Botulinumtoxin A, besser bekannt als Botox-Spritze gegen Falten. Das Nervengift kann jedoch auch übermäßiges Schwitzen stoppen, weil es verhindert, dass der Nervenbotenstoff Acetylcholin an die Schweißdrüsen weitergegeben wird. Die Injektionen werden schachbrettmusterartig im Abstand von etwa zwei Zentimetern gesetzt, direkt in den Bereich, wo zu viel Schweiß auftritt. Die Wirkung ist gut und hält etwa neun Monate an. Allerdings werden Botox-Injektionen gegen Hyperhidrose von den Kassen nicht gezahlt, pro Sitzung muss man mit rund 450 Euro rechnen.

Eine ganz neue Therapie könnte jedoch die Behandlung mit Oxybutynin sein, dem Gegenspieler von Acetylcholin. Die Substanz wird als Tablette eingenommen und wirkt damit systemisch, also im ganzen Körper. In einer Studiehat sich der Wirkstoff, der bis jetzt nur gegen übermäßigen Harndrang zugelassen ist, gut bewährt. Gegen Hyperhidrose würde das Medikament also „off label“ angewandt werden müssen, was Arzt und Patient gemeinsam entscheiden. Allerdings wurde die Studie nur über sechs Wochen hinweg durchgeführt. Langzeitergebnisse gibt es also noch nicht.

Fest steht jedoch, dass es viele wirksame Hilfen (die oben genannten sind nicht die einzigen) gegen starkes Schwitzen und Hyperhidrose gibt. Keiner sollte sich mit ständigen Schweißflecken, nassen Händen oder auch starkem Fußschweiß abfinden. Der Dermatologe stellt die richtige Diagnose und kann entsprechende Behandlungen anbieten.

Quellen: R. Sonnenschmidt: Haut- und Lymphsystem, Bastionen der Immunkraft, Narayana verlag 2016; Wilke K, Martin A et al: A short history of sweat gland biology, International Journal of Cosmetic Science, 2007; Dai X, Okazaki H et al: Eccrine sweat contains IL-1a, IL-1ß and IL-31 and activates epidermal keratinocytes as a danger signal, PLoS One, 2013 Jul 11;8(7)

Autor: Monika Preuk