Gesund leben
Syphilis / Foto © iStock, jarun011

Syphilis lässt sich mit einem Bluttest nachweisen. Foto © iStock, jarun011

Geschlechtskrankheit auf dem Vormarsch?

Syphilis – Symptome & Behandlung

  • Artikel vom 03. Juli 2017

Aktuelle Zahlen zu Syphilis sind alarmierend, besonders in deutschen Großstädten breitet sich die bakterielle Krankheit wieder aus. Was sind die ersten Symptome und wie wird die Krankheit behandelt?

Man sollte meinen, wir sind über Geschlechtskrankheiten und die Prävention vollends informiert. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Denn in den vergangenen Jahren erkranken wieder mehr Menschen an sexuell übertragbare Krankheiten. Besonders hohe Zuwachsraten werden laut
verzeichnet. Vor allem in allen deutschen Großstädten wie Berlin, Köln und Leipzig wurden in den vergangenen Jahren rund 30 Fälle pro 100.000 Einwohnern registriert. Und die Tendenz ist steigend. Eine Entwicklung, die in anderen EU-Ländern auch beobachtet wird.

Woran liegt es, dass eine Krankheit wie Syphilis wieder auf dem Vormarsch ist? Die Ursache für den Anstieg der Fallzahlen für die meldepflichtige Lues, wie die Erkrankung auch genannt wird, liegt an dem neuen Dating- und damit verbundenen Sexualverhalten. Gerade junge Menschen wechseln wieder häufiger ihre Sexualpartner. Zudem wirken neue Partydrogen enthemmend, der Gedanke an die Prävention wird leichter verdrängt. Krankheiten wie Aids werden zudem von vielen Menschen nicht ernst genommen und inzwischen lassen sich Geschlechtskrankheiten gut behandeln. Experten vermuten, dass insgesamt die Sorglosigkeit zugenommen hat, auf Kondome wieder mehr verzichtet wird, und sich so die Erreger wieder leichter verbreiten.

So rasch können Sie sich anstecken: Übertragung von Syphilis

Auslöser der Syphilis sind Bakterien der Gattung Treponema pallidum. An der Stelle, wo der Erreger in den Körper eindringt, bildet sich nach einer mehrwöchigen bis -monatigen Inkubationszeit erst eine hirsekorngroße Blase, später ein kleines nässendes Geschwür, auch "harter Schanker" genannt. Die Übertragung geht schnell - selbst beim Küssen, Schmusen oder allein beim Kontakt mit dem Syphilisgeschwulst kann man sich anstecken. Kleinste Läsionen auf der Schleimhaut oder der Haut reichen aus, um sich zu infizieren.

Deshalb tritt ein Geschwür nicht allein an den Geschlechtsteilen oder dem After auf, sondern kann sich auch im Mund und Rachenraum, an den Lippen oder den Händen zeigen. Bei Frauen können die kleinen nässenden Geschwulste selbst an der Brust entstehen. Problem: Viele Betroffene haben keine Schmerzen, sie bekommen anfangs nicht mit, dass sie eine ansteckende Erkrankung in sich tragen.

Nach ein, zwei Wochen hat das Geschwür sein typisches Aussehen entwickelt: flach, scharf begrenzt, gelblich und mit einem derben Rand. Es können sich neben dem Geschwür auch weitere bilden, die dann weiter ineinander wachsen. Es tritt Flüssigkeit aus, die äußerst ansteckend ist. Das Erstgeschwür bildet sich spontan nach ein bis zwei Monaten zurück.

Sekundärstadium und Spätstadium der Syphilis

Im weiteren Verlauf breiten sich jetzt die Erreger im gesamten Organismus aus. Dann sind Blut und Körperflüssigkeiten wie Sperma ebenfalls hochansteckend. Wird die Syphilis nicht behandelt, geht die Infektion rund neun Wochen nach der Ansteckung in das Sekundärstadium über. Jetzt wird der gesamte Körper in Mitleidenschaft gezogen, die Bakterien können alle Organe des Körpers befallen und unterschiedliche Beschwerden auslösen:

• Fieber und Müdigkeit
• Kopf- und Gelenkschmerzen
• Appetitverlust
• geschwollene Lymphknoten
• schuppender, linsenförmiger, nässender und hochansteckender Hautausschlag an Handflächen, Fußsohlen und Rumpf
• Belag auf der Zunge und im Rachen
• Haarausfall an einzelnen Stellen

Dieses Stadium dauert rund drei Wochen und klingt dann von alleine wieder ab. Oft ist danach eine jahrzehntelange Latenzphase möglich. Der Infizierte fühlt sich gesund - bis das dritte Stadium, die tertiäre Phase oder auch Spätsyphilis beginnt. Dann bilden sich am ganzen Körper harte Knoten, sogenannte Gummen. Sie zerstören das umliegende Gewebe. Die Bakterien schädigen zusätzlich alle inneren Organe und das Nervensystem. Sie befallen teilweise das Gehirn. Unbehandelt kann Syphilis schließlich tödlich verlaufen. In diesem Stadium ist die Krankheit nicht mehr ansteckend. In den Industrienationen ist die Spätsyphilis selten, meist wird sie früher diagnostiziert und entsprechend behandelt.

Ein Bluttest bringt Klarheit
Wer schon bei den ersten Anzeichen einer Syphilis wie kleine nässende Geschwüre einen Arzt aufsucht, hat gute Chancen, die Infektion wieder loszubekommen und nicht weiterzugeben. Zwei verschiedene Bluttests (Suchtest und Bestätigungstest) weisen nach, ob es sich um eine frische Infektion oder ein späteres Stadium handelt. Es gibt unterschiedlich effektive Verfahren: Vom Schnelltest, der schon nach einer halben Stunde erste Hinweise anzeigt, bis zur mikroskopischen Untersuchung der infektiösen Flüssigkeit. Eine Beratung vom Facharzt (Urologe, Gynäkologe, Dermatologe) ist unerlässlich.

Therapie bei Syphilis – so rasch wie nur möglich!

Damit sich die Bakterien erst gar nicht im Körper ausbreiten können, ist eine frühzeitige Behandlung extrem wichtig. Eine Antibiotikatherapie wird dann notwendig. Penicillin ist wie vor 70 Jahren noch immer das Mittel der Wahl, um dem Erreger den Garaus zu machen. Wer Penicillin nicht verträgt, bekommt vom Arzt ein anderes Antibiotikum verschrieben: Cephalosporine, Makrolide oder Tetrazykline sind ebenso effektiv.

Die Antibiotikabehandlung geht über mehrere Wochen, um die Bakterien in jedem Stadium abzutöten. Engmaschige Kontrolluntersuchungen sind hinterher notwendig - anfangs im Abstand von mehreren Wochen, danach alle drei Monate. Werden nach einem Jahr im Blut keine Hinweise auf ein Wiederaufflammen der Infektion gefunden, gilt der Betroffene als gesund.

Prävention: Besonders Schwangere sollten achtsam sein!

Eine Impfung gegen Syphilis gibt es nicht. Wichtig ist deshalb, sich bei jedem Sexualkontakt mit einem Kondom zu schützen – besonders bei einem neuen Partner. Vorsicht ist geboten, wenn ein Geschwür an verdächtigen Stellen zu erkennen ist! Jeder Kontakt mit der Flüssigkeit muss vermieden werden. Äußerste Hygiene - auch beim gemeinsam verwendeten Sexspielzeug - ist das A und O. Leider ist der Syphiliserreger in bestimmten Stadien sehr ansteckend. Zwar gibt es keinen 100-prozentigen Schutz, achten Sie deshalb auf jede Veränderung Ihrer Haut und Schleimhäute. Besonders schwangere Frauen sollten aufpassen, der Erreger geht im schlimmsten Fall auf das ungeborene Kind über. Wer sich angesteckt hat, muss nicht isoliert werden, aber die Erkrankung muss vom behandelnden Arzt an das Gesundheitsamt gemeldet werden. Geschlechtsverkehr sollte ab dann zum Schutz anderer tabu sein.

Quellen: Robert Koch Institut, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Syphilis, Deutsche STI-Gesellschaft

Autor: Monika Preuk