Gesund leben
Zecke / Foto © iStock, Kerrick

Vorsicht: Zecke / Foto © iStock, Kerrick

FSME und Borreliose

Zeckenbiss – Symptome erkennen und richtig handeln

  • Artikel vom 22. Juni 2017

Zecken können Krankheiten wie FSME (Hirnhautentzündung) und Borreliose übertragen. Deshalb ist es wichtig, vorzubeugen und zu wissen, was wann getan werden muss bei einem Zeckenbiss.

Ein Biss der winzigen Spinnentiere kann es in sich haben. Zecken – Gemeiner Holzbock, Hirschzecken und südeuropäische Auwaldzecken – können beim oft stundenlangen Blut saugen Krankheitserreger übertragen: Viren, die FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis, also Hirnhautentzündung) hervorrufen
und Bakterien, die Borreliose (auch Lyme-Borreliose genannt) auslösen.

FSME – selten und unheilbar

Rund 400 Fälle von FSME werden pro Jahr an das Robert Koch-Institut gemeldet. Die Zahl ist relativ niedrig, denn noch sind nur rund zwei Prozent der Zecken in Deutschland mit den gefährlichen Viren infiziert. Gefährlich sind sie deshalb, weil es kein Medikament gibt, das gegen FSME wirkt und die Viren vernichtet. Behandeln lassen sich deshalb nur die Symptome der Krankheit.

Hirnhautentzündung geht mit Fieber, Bewusstseinsstörungen und Lähmungen einher. Bei zehn Prozent der Erkrankten bleiben neurologische Probleme lebenslang bestehen, etwa Koordinationsstörungen und Lähmungserscheinungen.

Borreliose lässt sich behandeln – wenn sie rechtzeitig erkannt wird

Mit Bakterien, die Borreliose auslösen, ist rund jede vierte Zecke infiziert. Dementsprechend hoch sind die Infektionszahlen: Jährlich sind bis zu 120.000 Menschen in Deutschland betroffen. Oft verläuft die Infektion fast symptomlos, kann aber Spätfolgen nach sich ziehen und das Nervensystem angreifen. Dann bilden sich Gelenkentzündungen und im schlimmsten Fall Lähmungen. Frühzeitig erkannt, lässt sich Borreliose mit den entsprechenden Antibiotika heilen.

Nicht selten wird eine Borreliose jedoch nicht erkannt und als Multiple Sklerose behandelt – weil die Anzeichen ähnlich sind und die Krankheit in Schüben voranschreitet.

Zeckenbiss – das sind die Risikogebiete

In bestimmten Regionen Deutschlands ist die Gefahr besonders hoch, sich durch Zecken mit FSME oder Borreliose zu infizieren. Diese Risikogebiete werden vom Robert Koch Institut auf dieser Karte regelmäßig aktualisiert und veröffentlicht.

Zu den betroffenen Bundesländern zählen:

• Bayern
• Baden-Württemberg
• Hessen
• Thüringen
• Sachsen
• Rheinland-Pfalz
• Saarland

Dabei breiten sich die infizierten Zecken weiter aus, von Süd nach Nord. Das betrifft auch viele unserer Nachbarländer, wie:

• Polen
• Österreich
• Schweiz
• Frankreich (Elsass)

Die Tricks der Zecken

Zecken lauern vor allem im Unterholz, in Wiesen und Flussauen. Dabei lassen sie sich nicht wie oft berichtet von Bäumen auf ihre Opfer fallen, sondern leben auf dem Boden und nur selten bis in Höhen von einem Meter. Wie andere blutsaugende Parasiten befallen sie nicht nur den Menschen, sondern auch Säugetiere – Katzen, Hunde, Kühe oder Pferde, wobei FSME und Borreliose bei Tieren meist unauffällig und milde verlaufen.

Der Zeckenbiss unterscheidet sich um einiges vom Biss anderer Insekten. Streng genommen handelt es sich gar nicht um einen Biss, sondern um einen Stich. Die Mundwerkzeuge der Zecken verfügen über einen Stech- und Saugapparat. Sie schneiden die Haut zuerst etwas an, führen durch diese Öffnung den Stechrüssel ein, der über Widerhaken verfügt und sich fest im Fleisch verkeilt. So versorgt sich die Zecke stundenlang über diese „Quelle“, bis sie satt und vollgesogen ist und von ihrem Opfer oder Wirt ablässt.

Dabei geschieht das Saugen meist unmerklich. Denn der Speichel der Zecke, der übrigens auch die Krankheitserreger enthält, verfügt über lokal betäubende Stoffe.

Symptome erkennen

Der Stich selbst verläuft deshalb ohne Symptom. Später können sich jedoch Anzeichen zeigen, die auf Borreliose und/oder FSME hinweisen können. Folgende Symptome zu Beginn sind für beide Erkrankungen typisch:

• nach wenigen Stunden Kribbeln und Jucken an der Einstichstelle
• etwa einen Tag später schwillt der Biss an (lokale Infektion der Haut)
• etwa eine Woche später Symptome wie bei einer Sommergrippe – Fieber, Schüttelfrost
• Gelenk- und Gliederschmerzen

Anzeichen für Borreliose:
Ein bis zwei Wochen nach dem Biss entsteht ringförmig um den Einstich eine typische Rötung, die sich ausbreitet (Wanderröte, Erythema migrans). Wanderröte ist das wichtigste Anzeichen für Borreliose!

Symptome für FSME:
Die Anfangssymptome sind abgeklungen, doch etwa vier Wochen nach dem Zeckenbiss können sich diese Anzeichen zeigen:

Hohes Fieber, mit Bewusstseinseinschränkungen, Hörstörungen und Lähmungen. Die Viren haben das zentrale Nervensystem des Menschen erreicht und dabei Hirnhaut (Meningitis) und/oder das Gehirn entzündet (Meningoenzephalitis).

Zecken richtig entfernen

Erstmal bitte nicht panisch werden. Hat sich die Zecke erst kurz angesaugt, besteht meist noch kein Infektionsrisiko. Damit schwere Folgeerkrankungen jedoch erst gar nicht eintreten, ist es wichtig, die Zecke möglichst rasch zu entfernen. Als Faustregel gilt dabei: Am besten innerhalb von zwei Stunden. Bis zu diesem Zeitpunkt hat sich der Stechrüssel noch nicht richtig unter die Haut gekrallt, die Zecke lässt sich noch einfach herausziehen. Außerdem sind noch keine oder nur wenige Erreger von der Zecke auf den Menschen übergegangen.

So entfernt man Zecken gründlich:

Zecke mit Vereisungsspray betäuben. Mit Zecken-Pinzette, -Zange, Zeckenschlinge oder Zeckenkarte das Tier möglichst dicht über der Haut fassen und langsam herausziehen. Dabei nicht drehen oder ruckartig arbeiten. Alle Hilfsmittel zum Entfernen der Zecke gibt es in der Apotheke.

Falls dabei der Kopf der Zecke in der Haut stecken bleibt, muss der Arzt ihn möglichst zeitnah entfernen. Desinfizieren Sie danach die Einstichstelle.

Keine Experimente mit Hausmitteln gegen Zecken

Hausmittel wie Öl, Klebstoff, Nagellack oder Alkohol töten und entfernen die Zecke übrigens nicht. Im Gegenteil – bei diesen Vergiftungsversuchen reagiert das Spinnentier mit Erbrechen und entleert damit eine große Menge von Krankheitserregern in den Wirt.

Dieses Risiko besteht übrigens auch, wenn Sie die Zecke zerdrücken. Wer sich also nicht sicher ist, der Parasit etwa nicht vollständig entfernt wurde, sollte also am besten zum Arzt gehen. Häufig übernehmen Arzthelferinnen das professionelle Entfernen der Zecke.

Zeckenbiss – Wann zum Arzt?

Hat eine Zecke vermutlich länger als einen Tag gesaugt, sollten Sie auf jeden Fall zum Arzt gehen. Weitere Gründe, warum Sie nach einem Zeckenbiss die Praxis aufsuchen sollten:

• Die Hautrötung wird größer als einen Zentimeter
• die Hautrötung besteht auch drei Tage nach dem vollständigen Entfernen der Zecke noch
• Wanderröte bildet sich
• Einige Tage nach dem Zeckenbiss tritt Fieber auf, grippeähnliche Symptome entstehen und / oder Gelenkschmerzen

Impfung ist nicht immer möglich

Nur gegen die FSME gibt es eine Impfung. Gefährdete Menschen, die etwa in den Risikogebieten wohnen oder sich häufig in Wald und Flur aufhalten, können sich mit drei Impfungen gegen FSME schützen. Die Impfungen werden im Abstand von drei und zwölf Monaten durchgeführt. Erst dann besteht vollständiger Schutz für die nächsten drei bis fünf Jahre.

Gegen Borreliose gibt es keine Impfung. Das Problem: Es gibt viele verschiedene Borrelienarten und ein Impfserum könnte immer nur gegen ein paar davon schützen.

So schützen Sie sich wirksam vor dem Zeckenbiss

Am besten ist es natürlich, erst gar nicht von einer Zecke gebissen zu werden. Bewährte Schutzmaßnahmen sind:

Langärmelige, helle Kleidung, auf der sich Zecken gut erkennen lassen; Hosen am besten in Stiefel oder Socken stecken – so gelangen die Zecken gar nicht auf die Haut.

Zeckenschutzmittel auftragen. Welche gut wirken, hat die Stiftung Warentest vor Kurzem untersucht. Die besten Mittel schützen dabei bis zu sechs Stunden, darunter etwa ein Mittel von Anti Brumm, ein Produkt aus der Reihe von Autan und eines von Rossmann.

Suchen Sie sich, wenn Sie wieder zu Hause sind, gründlich ab. Zecken sind wählerisch und krabbeln oft stundenlang auf der Haut umher, bis sie eine Stelle gefunden haben, die sie als ideal für den Biss betrachten. Oft gelingt es also, den noch suchenden Parasiten auf der Haut zu entdecken, bevor er sich festgebissen hat. Am einfachsten lässt er sich dann mit einem Klebestreifen "einfangen" und entsorgen. Weil Zecken im Wasser überleben können, sollten Sie sie nicht in der Toilette herunterspülen, sondern besser auf dem Klebestreifen mit einem Glas zerquetschen und in den Hausmüll geben.

Benutzen Sie Kleidung, die Sie draußen in der Natur getragen haben, nicht nochmals. Suchen Sie vor allem Hosen sorgfältig danach ab, ob sich darin nicht eine Zecke findet. Zecken können mindestens zehn Tage in Kleidung und in der Wohnung überleben, auch waschen bei 40 Grad überleben sie.

Hunde und Katzen schleppen oft Zecken in die Wohnung. Säubern Sie die Lieblingsecken und Schlafplätze der Haustiere deshalb regelmäßig.

Zeckenbiss – Gefahr nicht nur im Sommer

Diese Schutzmaßnahmen wurden bis jetzt vor allem für April bis September empfohlen. Neuere Studien zeigen jedoch, dass mit Zecken auch im Winter zu rechnen ist und sie Gärten erobert haben, die nicht in der Nähe von Wäldern liegen. "Der Klimawandel hat die Zecke in Deutschland zu einem quasi ganzjährig aktiven Tier gemacht", sagt Prof. Dr. Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim. Die Parasitologin untersuchte rund 100 Gärten im Großraum Stuttgart und kam zu dem Ergebnis: "Inzwischen können wir in 60 Prozent aller Gärten Zecken nachweisen." An Zeckenschutz sollte also das ganze Jahr über gedacht werden. Bereits bei Temperaturen über fünf Grad werden die Zecken aktiv. Erst ab minus 20 Grad über Wochen hinweg wird es für sie problematisch.

Doch diesen Temperaturen sind sie so gut wie nie ausgesetzt – erstens, weil es bei uns kaum mehr so lange kalt wird, zweitens, weil die Zecken etwa in warmen Mäusehöhlen etc. auch kalte Tage überstehen. Kein Wunder – Zecken in ihrer heutigen Form gibt es seit 250 Millionen Jahren. Sie haben Kälte- und Hitzeperioden überstanden, weil sie sich optimal anpassen können.

Quellen: Robert Koch Institut, Informationen der Universität Hohenheim, der Universität Bonn und der Universität Heidelberg

Autor: Monika Preuk